Sport vor dem Frühstück: Ist der Fatburner ein gefährlicher Trend?

Sport vor dem Frühstück

In den Medien wird immer wieder das Abnehmen thematisiert und immer wieder werden alte Erkenntnisse verworfen, durch neue ersetzt und umgekehrt. Wir sind auf das Thema Sport vor dem Frühstück gestoßen und konnten feststellen, dass sich auch hier die Geister scheiden. Was sagt die Wissenschaft dazu und würden wir Abnehmwilligen ein Training auf nüchternen Magen am frühen Morgen empfehlen? Hier finden Sie die Antworten.

Es besteht wenig Zweifel daran, dass man mit Sport vor dem Frühstück abnehmen kann

In verschiedenen wissenschaftlichen Studien konnte bestätigt werden, dass beim Frühsport ohne vorherige Mahlzeit die Fettverbrennung in hohem Maße angekurbelt wird. Diese Tatsache wurde in Praxistests bewiesen, indem jeweils zwei Vergleichsgruppen das gleiche Pensum an Cardio-Training absolvierten. Auch ein Sprint nach dem Fahren auf dem Ergometer gehörte zum Test. Die hungrige Gruppe verbrannte mehr Fett in der gleichen Zeit. Es fiel jedoch auf, dass sie beim Sprint nicht so gut abschnitten wie die Probanden, die vor dem Sport gegessen hatten. Der Fettstoffwechsel lief allerdings auf Hochtouren und eine Stunde Sport sollte für rund 950 verbrannte Kilokalorien pro Stunde Training sorgen. Das ist schon einmal nicht schlecht, wenn man abnehmen will. Rund 7000 Kilokalorien sollen notwendig sein, um ein Kilogramm an Körperfett los zu werden, also könnte man nach dieser Theorie beinahe 4 Kilo pro Monat abnehmen. Die Betonung liegt auf: Theoretisch!

Viele Ernährungsberater und Sportexperten raten vom Frühsport ab

Einige Wissenschaftler warnen trotzdem vor dem Trend, der sich gerade herumspricht wie ein Lauffeuer. Zwar wird zweifelsohne der Körper dazu angehalten, auch im Ruhemodus mehr Fett zu verbrennen, aber bei dem verlorenen Fett handelt es sich lediglich um das Fett, das im Muskelgewebe enthalten ist. Auf Fettpolster an den typischen Problemzonen hat Sport ohne Frühstück keinen nennenswerten Einfluss. Dazu kommt, dass der Körper durch diese Maßnahme einem erheblichen Stress ausgesetzt ist. Dieser Stress erhöht den Stress-Hormon-Spiegel, was nicht nur ungesund, sondern auch in Hinsicht auf das Abnehmen hinderlich sein kann. Wer Stress empfindet und voll mit Cortisol ist, lagert verstärkt Reserven ein, und zwar in Form von Wasser und später auch Fett. Die Schilddrüse ist ein empfindliches Organ und kann negativ beeinflusst werden. Auch, wenn man subjektiv empfindet, dass Abnehmen das größte Glück auf Erden wäre: Der Körper mit seinen Instinkten sieht das garantiert anders. Also ist Sport ohne vorheriges Frühstück auf Dauer nicht nur nutzlos, sondern schlimmstenfalls auch äußerst ungesund.

Die Verletzungsgefahr steigt, die Leistungsfähigkeit sinkt

Menschen reagieren unterschiedlich, wenn der Kreislauf einer ungewohnten Belastung ausgesetzt wird. Im Schlaf werden die Kohlenhydrate-Speicher im Körper geleert und warten darauf, morgens wieder aufgefüllt zu werden. Wer seinem Körper dann statt der heiß ersehnten frischen Semmeln eine knackige Trainingseinheit verpasst, muss damit rechnen, dass der Körper streikt. Oft ist es der Kreislauf, der besonders jungen Frauen zu schaffen macht. Ein niedriger Blutdruck kann dazu führen, dass Betroffenen schwarz vor Augen wird. Wer sich dann beim Joggen verausgabt und von einem Ohnmachtsanfall überrascht wird, lebt gefährlich und hat im Extremfall bald sehr viel größere Probleme als ein wenig zu viel Körperfett.

Wie wäre es mit einem Kompromiss?

Da es gute wie schlechte Seiten an der Sport-vor-dem-Frühstück-Methode gibt, bieten sich zwei Arten von Kompromiss an: Wie wäre es mit der oft gelobten Banane vor der Joggingrunde? Dann hat man etwas im Magen, aber nicht zu viel. Gerade Menschen, die mit dem Kreislauf Probleme haben, wäre das wohl die beste Variante. Der zweite Vorschlag, der in der Form auch von Experten empfohlen wird, lautet: Einmal pro Woche Sport vor dem Frühstück treiben, aber bitte nicht öfter. So fährt der Körper die Fettverbrennung hoch und man kann von einer Art Nachbrenneffekt profitieren, ohne sich dem Dauerstress auszusetzen, seinen Körper an eine Hungersnot glauben zu lassen.

Wenn Sie Sport vor dem Frühstück machen, erwarten Sie bitte keine Höchstleistungen

Ein paar Gymnastikübungen vor dem geöffneten Fenster, wie es schon unsere Großeltern gemacht haben, ist in diesem Artikel nicht gemeint. Dieser Frühsport ist definitiv gut für Sie, stärkt den Kreislauf und macht wach. Wenn Sie allerdings eine Stunde lang laufen gehen, dürfen Sie nicht erwarten, Ihre Leistungen steigern zu können. Ihr Körper wird tun, wozu Sie ihn zwingen, aber sicherlich keinen Deut mehr. Wir würden jederzeit für den Kompromiss und die Frühgymnastik stimmen.

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